Hallo Gemeinde,
Man möge es einem verzeihen, wenn diese Analyse noch nicht ganz so perfekt herüberkomme, es ist meine Erste

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Am Samstagvormittag den 7.7.2012 gegen 11:30Uhr sahen diverse Augenzeugen aus dem Landkreis eine "Tichterwolke" (Funnelcloud) am Himmel stehen, südwestlich von Gießen. Sie hatte sich im Bereich einer Multizelle gebildet, die weiteren Verlauf eine Rotation zeigte.
Hier zunächst einmal die Radarbilder der entsprechenden Zeit
Quelle:
Wetterpool
als Animation
Quelle:
Niederschlagsradar
als Animation
Sven und ich machten uns am späten Nachmittag auf Spuren suchen, nachdem wir diverse Meldungen über einen möglichen Tornado bei Gießen vernommen hatten. Wir verglichen eingehende Bilder und befragten Anwohner. In Lahnau, westlich des Geschehens, bekamen wir Hinweise, das südwestlich von Gießen, vermutlich in den Lahnauen ein Bodenkontakt möglich gewesen sein konnte. Wir machten uns auf um die Stelle zu suchen. Zwischen dem Lahntaldreieck (B49 und B429), Heuchelheim und Gießen-Lahnstraße / Magaretenhütte (bis Höhe Rodheimerstraße) wurden wir dann fündig.
Legende der Übersichtskarte:
Mittelblau: unsere abgefahrene Route
Orange: die Richtung in der wir die meisten Schäden finden Konnten (vermeintliche Zugbahn des Tornados innerhalb dieser Markierung)
1.) Schäden in Maisfeldern
2.) Schäden an Äste und Zweige (abgeknickte Weide).
3.) Schäden Uferhängen der Lahn
4.) Laub und kleinere Äste Straßen.
5.) Abgerissener größer Ast
6.) umgerissene Baustellenabsperrungen
7.) Niedergedrücktes Getreidefeld
Bilder zu den einzelnen Stationen sind unter der Übersicht und können bei Bedarf auch gerne noch einmal einzeln in Originalgröße über unserem
Flickr-Kanal angesehen werden.
Wegstrecke der Spuren ca. 2-3km in nordöstliche bis nordnordöstliche Richtung, Breite zwischen 50m und max. 150m
Bilder zu 1: Maisfeldern
Von außen war nur wenig Schaden erkennbar aber nur wenige Schritte in sie hinein, zeigt sich die Verwüstung. Die Pflanzen wurden entgegen der Zugrichtung niedergedrückt, zum Teil zeigten sie innerhalb der Felder auch in verschiedene Richtungen
Blickrichtung Osten
umgeknickte Maispflanzen zeigen in verschiedene Richtungen.
hier habe ich die Fallrichtung mal eingezeichnet
Blickrichtung Osten. So sieht es im inneren der Felder aus, während sehr viele Pflanzen um lagen, waren auch noch einige dazwischen die standen.
Hier das ganze mit eingezeichneter Zellenzugrichtung und Fallrichtung der Maispflanzen
Blickrichtung Westen.
Blick nach Süden, in die Richtung aus die der mögliche Tornado gekommen war.
mit eingezeichneter Fallrichtung.
In der Großaufnahme erkennt man, dass es ein kleinräumiges Windereignis für die Zerstörung verantwortlich gewesen sein muss. Denn am Rand waren die Pflanzen unbeschädigt
Auf der Straße zwischen der B429 und dem Maisfeld konnte man kleine Äste finden.
Bilder zu 2 Abgebrochene Äste / umgeknickte kleine Weiden
Südliches Lahnufer, sah man eine abgeknickte kleine Weide
nicht weit daneben ein weiter umgebogenes Weidenbäumchen
Am nördliches Lahnufer konnten wir abgebrochene Äste (Todholz) und Frischholz auf den Weg und den Wiesen finden
Auf einem Acker (auf der Übersichtskarte mit der mittleren 2 markiert) fanden wir mittelgroße Äste, die erst wenige Stunden zuvor abgebrochen wurden. (Sven da neben als Größenvergleich)
hier in Nahaufnahme. Ist innen noch ganz feucht und grün
immer mehr Astbruch fanden wir hier in diesem Bereich
Wieder musste Sven als Größenvergleich antreten
Die abgebrochenen Äste stammten überwiegend von dieser Baumgruppe. Man kann erkennen, dass die Kronen etwas zerpflückt aussehen (Pfeile).
Bilder zu 3 Schäden am Lahnufer:
Am Südufer der Lahn, zwischen zwei Weiden, gegen die Zugrichtung umgedrückter Pflanzenwuchs
so auch am Nordufer der Lahn zu finden
Bei der kleinen Brücke (rote Doppelstreifen zwischen der rechten und mittleren 2) wieder umgelegte Vegetation entgegen der Zugrichtung.
Auch auf dem Nordufer der Lahn musste eine junge Weisen dran glauben, dazwischen immer wieder niedergedrückte Pflanzen
Im Bereich der B429 Brücke über die Lahn, war auf dem Südufer niedergedrückten Pflanzen erkennbar, die in Zugrichtung umgeknickt waren, welche auf dem Nordufer hingegen lagen entgegengesetzt
hier das Südufer
Bilder zu 4 Blattwerk und Äste im Bereich der Lahnstraße / Schlachthofstraße
In der Lahnstraße selber haben wir leider keine Bilder gemacht.
Auf einem befestigten Feldweg direkt an der Lahn (Höhe Hauptbahnhof) nähe zu den Schrebergärten in der Schlachthofstraße, konnte man verfrachtete Maispflanzn samt Wurzelballen finden. Entfernung zu den Feldern rund 50m.
Von selbiger Straße aus, konnte man entlang des anderen Lahnufers immer wieder Bäume sehen, an denen Äste frisch abgebrochen waren, wie dieser hier
Ergänzend hier zu ist noch zu sagen, dass neben den kleineren Ästen und Blattwerk in der Lahnstraße (Richtung der Rodheimerstraße mehr) auch eine große (weiße) Plastikplane halb von einem Gebäude und Baum/Busch herunter hing (Bereich Müllumladestation).
Bilder zu 5.
Diesen abgebrochener Ast haben wir dann in der Schlachthofstraße etwa Höhe des Gastank der SWG gefunden. Auch hier war die Bruchstelle erst wenige Stunden alt
Bilder zu 6. umgeworfene Baustellenabsperrung
Entlang des kleinen Kanals, der in die Lahn mündet, lag dann diese Baustellenabsperrung um. An Hand der Abdrücke kann man erkennen, dass diese zuvor hier noch aufrecht gestanden hatte (2. Bild).
Auch im dahinter liegenden Maisfeld waren umgeknickte Pflanzen zu sehen
Bilder zu 7. Niedergedrücktes Getreidefeld
Im Hintergrund konnte man geringe Schäden durch Niederschlag zu erkennen, im Vordergrund wiesen die Ähren aber Wind Schäden auf. Die Ähren zeigten hier in südöstliche und nordöstliche Richtung
Unsere vorsichtige Analyse der gemachten Beobachtungen:
Anhand dem Datenblatt von Skywarn "
Angepasste Fujita-Torro Skala für Vegetations- und Gebäudeschäden" und unseren gemachten Beobachtungen und Einschätzungen wie, abgebrochene gesunde Ästen, die Spuren in den Feldern, würden wir einen möglichen Tornado mit der Stärke T0/F0 bis T1/F0 bewerten. Diese Stärke erscheint uns nach unseren gemachten Beobachtungen für realistisch.
In einem sehr eng begrenzten Bereich kann es auch möglichen gewesen sein, dass der Tornado kurzzeitig auch die Stärke T2/F1 erreicht haben könnte.
Begründung:
Wir selber haben zwar keine Schäden an Häusern oder Gartenlauben finden können, da es nun schon recht dunkel geworden war. Entweder wurden vorhandene Schäden bereits wieder beseitigt, schließlich war das Windereignis bereits einige Stunden her oder es gab in dem Bereich wo wir waren keine. Im Internet gibt es jedoch einige Bilder von anderen Usern aus Gießen, die Schäden an verankerten Werbetafeln und Zäunen zeigen. Daher käme eben nach unserer Einschätzung hier auch kurzzeitig ein T2/F1 in Frage.
Wir hoffen, dass unsere zusammen gestellten Bilder und Aussagen hilfreich sein werden um klären zu können ob es sich bei den Schäden um die von einem Tornado sind, oder ein anderes Witterungsbeständiges Ereignis dafür verantwortlich ist.
MfG
Sven und Marcus