19.06.2012 / Eisenach bis Naumburg / Verfolgung einer Superzelle
Hallo!
Leider komme ich erst jetzt dazu, meinen Bericht zur Superzelle vom 19.06.2012 zu veröffentlichen, da die Aufbereitung der Bilder und Videos (viel) mehr Zeit in Anspruch genommen hatte als geplant.
In Hessen entwickelte sich am 19.06.2012 gegen 14 Uhr eine gewittrige Zelle innerhalb eines schwachen Regenstreifens und zog zunächst mit der Höhenströmung nordostwärts. Für Thüringen sollte sie eigentlich uninteressant bleiben und weiter Richtung Kassel und später Harz ziehen, doch sowohl Janeks WRF und besonders eindrucksvoll der Wolken- und Niederschlagsvorhersagefilm von wetter.info prognostizierten ein Ausscheren der Zelle nach rechts quer über Thüringen bis nach NW-Sachsen. So recht mochte ich an dieses Szenario aber nicht glauben und beobachtete weiterhin neutral und unaufgeregt das Radar. Als jedoch gegen 16:30 Uhr erste Anzeichen eines Abdriftens nach Thüringen sichtbar wurden, beschloss ich, mir die Sache vor Ort etwas genauer anzusehen und fuhr in Richtung Eisenach. Gegen 18 Uhr erreichte die Zelle mit hoher Reflektivität und mäßiger Blitzrate die Landesgrenze Hessen/Thüringen.
Eine halbe Stunde später erreichte sie meinen Standort zwischen Gotha und Eisenach und es deuteten sich erste Superzellenstrukturen an.
Ich fuhr wieder zurück an die A4 AS Gotha Boxberg und später der AS Gotha und schaute mir die dynamische Veränderung der Zellstruktur von der Südseite aus an.
Von Eisenach bis Gotha blitze es nicht gerade häufig, jedoch blieb die Größe und Stärke der Zelle unverändert auf hohem Niveau.
Als ich weiter die A4 in Richtung Dresden fuhr, bemerkte ich etwa ab Erfurt, wie die Strukturen immer verwaschener wurden, gleichzeitig die Blitzrate aber enorm anstieg.
Dies bestätigte sich auch auf dem WOM-Niederschlaggsradar mit einem Abschwächen der Radarsignaturen sowie dem Ansteigen der Blitzortungen.
Hier mal hilfsweise das WO-Radar:
Quelle:wetteronline.de
Quelle: wetterpool.de
Gegen 19:30 Uhr suchte ich mir in der Nähe der AS Nohra einen geeigneten Chasingpoint und fotografierte sowie filmte die vielen Entladungen aus der nicht mehr ganz so ansehnlichen Zelle.
Feuer frei:
Auch im Hochformat ganz nett:
Mit Abziehen der Zelle Richtung ONO hatte es den Anschein, als ob die Zelle bei gleichbleibender Blitzintensität wieder wieder an Struktur und Stärke gewann.
Nach der Bestätigung durch das Radar und dem weiterhin eindeutigen Ausscheren aus der Höhenströmung, beschloss ich, der potentiellen Superzelle noch weiter hinterher zu fahren und auf der A9 auf dessen Vorderseite zu gelangen. Noch war ich nicht zufrieden mit der Schönheit der Zelle und aus Erfahrung wußte ich, dass sich oftmals Gewitterzellen bei SW-Strömung vor Naumburg nochmals verstärken und fotogener werden.
So war es glücklicherweise diesmal auch. Ab etwa der Höhe Eisenberg konnte ich von weitem schon eine Art "UFO" erkennen, das mein Herz höher schlagen ließ. Ich überlegte kurz, ob ich mich an der AS Droyßig positionieren oder doch noch bis zur AS Naumburg weiter fahren sollte und entschied mich schließlich für letzteres. Ich baute am bekannten Chasingpoint Stative und Kameras auf und machte folgende Bilder von der Südostseite der Zelle:
Hier eine kleine Animation:
Mit einem 10mm-Weitwinkelobjektiv schaut das ganze so aus:
Einfach gigantisch dieser Anblick.
Allein anhand der Struktur konnte man sie nun eindeutig als HP-Superzelle deklarieren.
Die Blitzrate sank leider wieder deutlich, so dass mir beim Aufzug des "(T)Raumschiffs" nur 2 Aufnahmen mit Blitz gelangen:
Ich befand mich immer im niederschlagsfreien Bereich, was das Fotografieren und Filmen erheblich vereinfachte. Mit Abzug der Superzelle nahm die Blitzrate wieder deutlich zu, was auch bei wetterpool deutlich zu erkennen ist:
Quelle: wetterpool.de
18mm
10mm
21:30 Uhr:
Meine zweite! Superzelle in 10 Jahren Chasing verabschiedete sich nun langsam aber sicher:
Schließlich brach ich die "Zelte" ab und fuhr mit einem seltenem Erfolgserlebnis im Gepäck wieder nach Haus. Gegen 22 Uhr löste sich die Superzelle übrigens nach 8 Stunden Lebenszeit in der Nähe von Leipzig auf.
Abschließend noch ein paar Panoramen der Superzelle:
und mein Lieblings-Blitzbild als Panorama-Version:
Die Videos dürfen natürlich auch nicht fehlen:
Zunächst vom Auf- und Abzug der Superzelle bei Naumburg... V I D E O 1
und zu guter letzt von der Blitzshow (Nohra bis Naumburg). Hier musste ich teilweise den Kontrast etwas wegnehmen, da sonst zu viele Artefakte sichtbar gewesen wären. V I D E O 2
Die Video bitte in Originalgröße schauen (640x360) und nicht im Firefox-Vollbildmodus
Alternativ kann man sie auch hier anschauen: Wettermotive.de
Ich hoffe, der Bericht hat ein wenig gefallen. Mal schauen, wann ich die nächste Superzelle erwische
Das ist glaube ich eine der am ausführlichst dokumentierten Superzellen dieses Jahr. Schade, dass es keine Fotos aus Hessen oder Saarland gibt. Die Anfänge dieser Zelle hätt ich gern mal noch gesehen =(
auch ich war gemeinsam mit Maik, Kenny, und Micha an diesem Tage an dieser Zelle dran. Auf dem Wege zu den Dreien, musste ich durch den Core dieses Monsters durchfahren, und der hatte es teilweise in Sich, Naheinschläge ohne Ende, und massig Wasser von Oben. Zum Glück habe ich es dann tatsächlich geschaft, die Zelle zu überholen und mich den Dreien anzuschließen. Wir konnten dann das Ende der Zelle bei Espenhain dokumentieren.
Mein Bericht kommt, hoffentlich auch noch diese Woche... ich werde es zumindest versuchen...
Deine Bilder werdem dem Biest aber auf jedem Fall gerecht!
LG André
Dieser Beitrag ist unter widrigsten Umständen und mit Hilfe einer Taschenlampe in das offene Ende eines Glasfaserkabels gemorst worden...
Wahnsinn!!!
Wirklich tolle Bilder. Wie hast du das mit den Blitzen gemacht? Serienbildaufnahme oder hast du ne "längere" Belichtungszeit gewählt?
Alles Gute für den Contest ;-)
Danke Euch
@Maik: Ich denke nicht, dass die Zelle in den alten Bundesländern sonderlich fotogen war, da sie dort noch mehr im Regengebiet eingebettet war. Ich habe sie ja bei Eisenach von Hessen reinkommen sehen, da sah sie am unspektakulärsten von allen Locations aus.
@Matze: Ich habe in einem anderen Forum bei meinen letzten Blitzaufnahmen 20.05.2012/Erfurt:Gewitterzelle des Jahres mit farbiger Blitzshow am Abend
schon mal erläutert, wie ich vorgehe, um die Blitze zu erwischen. Ich kopiers mal hier ein:
"Ich habe auf "M" gestellt und zunächst die Blende so weit, wie es ging zugemacht. Als ich gemerkt habe, dass ich bei 18mm nur bis f22 stellen konnte, habe ich noch etwas in die Zelle gezoomt und konnte so bis f25 abblenden. Danach habe ich getestet, wie hoch ich mit der Belichtungszeit gehen kann, ohne dass es zu Überbelichtungen kommt und die Blitze sowie die Struktur der Wolke noch sichtbar sind. Mit 1/25 sek. hatte ich das Optimum gefunden und konnte so mit Hilfe des Fensterstativs die Serienbildauslöse starten. Da die Blitze anfangs etwa alle 30 Sekunden, später dann alle 90 Sekunden niedergingen, konnte man auch taktisch vorgehen."
Je später der Tag/Abend, um so länger kann man natürlich auch belichten. Ab etwa 1/4 hat man dann so gut wie jeden Blitz drauf.