Hallo liebe SCE-Gemeinde,
Info: Das es dieses mal länger mit unserem Bericht gedauert hat, liegt einfach an über 830! Bildern die ich alleine an diesem Abend gemacht habe und durchgesehen werden wollen.
Alle meine Bilder sind in der Regel Originale (Änderungen werden angezeigt), nur die Größe wurde bei allen Bildern verringert.
Auch das Team der Stormchaser Mittelhessen, wollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, die groß angekündigten Gewitter, Lightshow und möglichen Tornadoausbruch in Nordrhein-Westfalen auf Film und Foto festzuhalten. Sven, Steffi und Jonas fuhren schon mal voraus. Mark und Meinewenigkeit kamen gute eine Stunde später gegen 15:30Uhr auch am Treffpunkt an.
Hier unser Streckenübersicht.
violett Hinfahrt; rot Rückfahrt, Gesamte Fahrstrecke gute 400km
Wir trafen uns im landschaftlich schönen nordhessischen Grenzgebiet zu NRW.
Hier hieß es erst einmal „bitte Warten“, denn die Auslöse hatte sich zeitlich nach hinten verschoben. Wir nutzten die Pause dazu um uns vor der „Jagt“ noch mal zu stärken und die Lage per Internet zu inspizieren. Danach machten wir machten uns auf zu einer nahen Anhöhe (grüner Pfeil) um Ausschau zu halten und weiter zu warten.
verschiedene Wolkengattungen teilten sich den Himmel über uns, nur nicht die wofür man extra hier her gekommen war
Hier bot sich dann auch die Gelegenheit, endlich mal unser längst überfälliges Gruppenbild nach zu hohlen. Natürlich wie es sich für „echte“ Chaser gehört vor einem Pickup
von links: Mark, Steffi, Sven, Meinewenigkeit und Jonas. Das sind die Stormchaser Mittelhessen
Das Warten kam uns eine halbe Ewigkeit vor. Zwar sah man der Ferne immer wieder mal ein paar Quellungen, doch diese lösten sich oft genau so schnell wieder auf wie sie entstanden waren, die Deckelung verhinderte noch eine Auslöung. Später machte uns eine „kleine“ Schauerzelle im Nordwesten Hoffnung, dass es nun doch bald losgehen könnte. Leider löste sich auch diese bald drauf wieder auf.
(Kontrast bearbeitet)
Wir beschlossen noch mal schnell einen Kaffee trinken zu gehen und ein Eis zu essen, dabei noch mal die neusten Wetterentwicklungen gecheckt. Endlich gegen 20 Uhr die entschiedene Nachricht. Es hat ausgelöst. Eine kurze Besprechung wo man sich am besten positioniert, dann ging es auch schon über die A44 und A33 in Richtung Paderborn.
Wir wollten uns ans Südende, der auf uns zulaufenden Gewitterlinie stellen, die uns nach dem uns bis dato vorliegenden Daten weiter nördlich in einem sicheren Abstand hätte passieren sollen. Das wir im Laufe des Abend, noch zur Flucht ansetzten musste um einen starken Kern aus dem Weg zu gehen, ahnte von uns zu diesem Zeitpunkt noch keiner. Wie es dazu kam, später mehr.
In der Nähe von Scharmede (Salzkotten) stellten wir uns gegen 20:45Uhr auf einem Feldweg und warteten auf die näher kommende Zelle(n) (oberer grüner Pfeil, zum unteren grünen Pfeil waren wir später dann umgezogen).

und ein weiteres mal hieß es warten
Hier ein paar Inspirationen um unseren Chasingpoint herum und der aufziehenden Wolkenstrukturen.
Zwischendurch haben wir immer wieder online die neusten Entwicklungen nachgeschlagen. Die Langeweile hatte bald ein Ende, als kleinere vorlaufende Zellen die ersten Blitze abfeuerten. Wir bauten unsre Kameras auf und machten unsere ersten Aufnahmen.
Leider ein klein wenig unscharf, sorry
Inflow-Wind kam auf und ein Blick auf mein mobiles Anemometer zeigte einzelne Böen bis 20km/h.
Als das Gewitter näher gekommen war und wir noch mal einen Blick aufs Radar geworfen haben, positionierten wir uns noch einmal um. Einen guten Kilometer weiter hatten wir dann ein neues Plätzchen gefunden. Hier baute man erneut seine Kameras auf und schauten dem Wettergeschehen gespannt zu.
Dann begann die eigentliche Show.
Im Schnitt alle 5-10 Sekunden, haute es einen Blitz aus den Wolken heraus. Crawler, CCs, CGs auch ein paar positive, waren dabei und aus der Ferne schön anzusehen.
Langsam aber sicher wurde die Zelle die wir beobachteten stärker. Doch auch andere Zellen hinter unserer hatten es wohl schon in sich gehabt.
Online haben wir erste Meldungen gelesen, dass es bereits ein paar Verdachtsfälle von Funnel mit Bodenkontakt (z.B. Duisburg) gegeben haben soll.
Das ließ uns aufhorchen und drückte gleichzeitig auch ein paar Sorgenfalten auf die Stirn. Was wenn so ein „Rüssel“ auch bei uns entstehen sollte. Am Tag sicherlich das kleineres Übel, da man ihn ja rechtzeitig sehen kann. Aber in der Nacht, wo’s dunkel ist, na Mahlzeit? Da kann man so was durchaus gerne mal übersehen und ist dann richtig angeschmiert wenn er auf einmal vor einem auftaucht.
Wie sehr sich diese Überlegung noch bewahrheiten würde, sollten wir später auch noch miterleben.
Wir beobachten weiter den Himmel mit Aufmerksamkeit und sahen wenig später unter unserer Zelle gleich zwei Wallclouds. Diese sind durch zwei nebeneinander stehende Zellen entstanden.
(Überlagerung zweier Bilder / gleicher Bildausschnitt u. Belichtung)
(Überlagerung zweier Bilder / gleicher Bildausschnitt u. Belichtung)
Jonas hat sicher davon die besseren Bilder gemacht und wird sie sicher noch im diesem Thread posten. Gelle Jonas
Wenig später hatten wir den Eindruck, dass sich hier möglicherweise noch kurzzeitig Funnel gebildet hatten. Im hellen Licht der Blitze, meinten wir entsprechendes Entdeckt zu haben, könnte auch nur Fractus gewesen sein.
Noch immer glaubten wir fest daran, dass diese Zellen nördlich an uns vorbei ziehen würden. Die Infos was uns das Radar zeigte bestätigte das zunächst auch noch, das man einen sicheren Standort hatte.
Wir machten also weiter unsere Aufnahmen, als es nun etwas, nun ja… turbulent wurde. Südwestlich von uns tauchte etwas auf. In durch Blitzen erhellte Nacht, sah man eine „Wand“ auf einem zukommen. Wir wussten sofort, diese wir uns treffen

.
Ruckzuck schnappte man seine sieben Sachen, schmiss diese und sich selber mehr oder weniger ins Auto, Türen und Fenster zu und wir versuchten noch in südliche Richtung zur B1 zu entkommen.
Vergeblich. Noch bevor wir vom Feldweg runter auf die Landstraße fahren konnten, war es auch schon da und wir leider mitten drin, statt nur dabei wie ihr gleich selber sehen könnt
Starker Regen (zum Glück war kein Hagel mit dabei gewesen), gepaart mit starken Sturmböen (gut geschätzten 100km/h) schüttelten unsere Wagen durch. Sichtweite während des Macroburst betrug rund 50 Meter könnte auch etwas darunter gewesen sein. Im Sturmfeld war eine Winddrehung von 180° zu beobachten.
Nach gut 2 Minuten schwächte sich der Wind und Regen ab, so dass man vorsichtig zu einer
Nahen Tankstelle fahren konnte. Auf den Weg dahin sahen wir kleinere Äste und abgerissene Blätter auf der Straße. Sichtlich erleichtert, dieses Ereignis ohne Schäden überstanden zu haben, stellten wir uns dort kurz unter.
Hier aber erst mal das angesprochene Video
Anmerkung: Ich versichere Euch, bei meiner / unserer Ehre als Chaser, dass es von uns keine Absicht war, mitten im Geschehen zu stecken, erstrecht nicht wenn das Teil auch noch ne Funnel ausbildet, zusehen in der Animation am rechten Bildrand knapp über der Mitte.
Zur besseren Ansicht, wurden die Einzelbilder im Kontrastverstärkt und aufgehellt
Funnel rechter Bildrand Mittel
und noch mal langsamer
Funnel rechter Bildrand Mitte
Hier die drei original Einzelbilder, mit dem Funnel drauf
Bild 1
Bild 2
Bild 3
Gestanden haben wir, wie auf der Karte unten zu sehen ist, gut 1km südlich von Scharmede an der Ecke Leeren Teich/Oststraße mit Blickrichtung West (zur K3) (unterer grüner Pfeil). Hinter uns (südöstlich also) die Bahnstrecke Paderborn-Lippstadt, südlich von uns aus gelegen verläuft noch die Bundesstraße1 (B1)
Das Chasingteam OWL, das sich ebenfalls in unserer Nähe befand, konnte ebenfalls interessante Beobachtungen machen
Hier die Übersicht der Beobachtungspunkte der beiden Teams
Hier geht's zur OWL Webseite
Hier noch ein paar Bilder der Wall, die auf uns zu kam.
Nach dem das Gewitter etwa weiter gezogen war und wir das Adrenalin im Blut etwas abgebaut hatten, fuhren wir noch mal zu unserem Standort zurück um noch ein paar letzte Bilder der abziehenden Zelle zu machen.
Um kurz vor Mitternacht beendeten wir unsere Jagt und machten uns wieder dem Nachhauseweg.
Ob unser Gewitter möglicherweise gar eine Superzelle war, müsste jemand von der Superzellenworkgroup mit dem Doppler verifizieren. Wir selber können nur Vermutungen erstellen.
Bestätigen kann man wohl jetzt schon ne Wall und Funnel, da es hierfür eindeutiges Bild und Videomaterial gibt.
Ich Hoffe unser „keiner“ Bericht gefällt Euch. Dieses Gewitter war definitiv Aufregender als es uns lieb war, und seit versichert, so was passiert uns sicher nicht noch einmal.
Gleichzeitig soll unser Erlebnis allen eine Wahrung sein. Bleibt bitte lieber einige Kilometer weiter weg, als auf einmal mitten im Geschehen zu stecken. Diese Mal hatten wir echt Glück gehabt, es hätte auch anders ausgehen können.
Denkt bitte immer dran,
eure Sicherheit und die der anderen Verkehrsteilnehmer steht an erster Stelle und
nicht das Gewitter. Es ist es niemals wert seine eigene Gesundheit oder die der anderen aufs Spiel zu setzten, nur um ein wenig Nervenkitzel erleben zu können.
Lieben Gruß,
Marcus